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Nachgedacht über: Converse Connectivity Kampagne und „Rebellion is the only thing that keeps you alive“

19. September 2008 Designer & Labels, Kampagnen Judith

„Rebellion is the only thing that keeps you alive”, dröhnt es mir ins Gesicht.
Es gibt kein Entkommen. Kein Entkommen, kein Entrinnen, kein Wegschauen und kein Ignorieren.
Converse hat sich seit dem 06. September in den Hamburger S-Bahnhof Jungfernstieg eingekauft.
S-Bahnhofsdominanz im Rahmen der Connectivity Out-Of-Home Kampagne – so nennt sich die Markenübernahme des S-Bahnhofes Jungfernstieg im Fachjargon. S-Bahnhofsdominanz, ein großartiges Wort, denn genauso miserabel fühlt es sich an.
Nicht auf den ersten Blick – aber spätestens dann, wenn man die 8. Minute Wartezeit auf die Bahn hinter sich hat. Beim ersten Passieren der Station Jungfernstieges, poppte das große WOW in meinem Kopf auf. Der visuelle Effekt der sogenannten S-Bahnhofsdominanz ist überwältigend. Converse bespielt nicht nur die gängigen Werbeflächen, sondern auch Säulen, Wände, Vitrinen und Treppen des Bahnhofes. In schwarz-weißem Graffiti-Style. Konsequent hochgetunt zum schicken Gesamtpaket, angeführt vom Claim „Rebellion is the only thing that keeps you alive”.

Nach dem ersten Wow folgte der tiefe Fall in die Beklemmung. Es kam der Tag an dem ich 12 Minuten auf meine Bahn warten musste. Baustelle. Umleitungen. Schleppender Verkehr. Ich saß fest. Im S-Bahnhof Jungfernstieg. Nach Minute 3 suchte ich einen Ausweg in den von der Stadt Hamburg subventionierten Kultur-Wänden.
Programme von Theatern, Kinos, Museen – ein erfreulicher Zeitvertreib für das Warten auf die Bahn.
Die Suche war vergeblich. „Rebellion is the only thing that keeps you alive” schrie mir weiter ins Gesicht. Ich begriff das Wort  S-Bahnhofsdominanz in seiner vollen Konsequenz.

Minute 4-6 wurden überbrückt durch die S-Bahn Wachen. Abgestellt für die Sicherheit der Fahrgäste schienen sie überaus besorgt um das Wohl der S-Bahnhofsdominanz. Spanier fotografierte. S-Bahn Wachen im Schlepptau und ich besorgt an den mit erhobenem Arm grüßenden Morgan Quaintance gelehnt.
Kameraüberwachung, S-Bahn Wachen – „Rebellion is the only thing that keeps you alive”?????????

Minute 7-10 galten der Frage, ob ich gar Lügen aufgesessen war. Luft, Nahrung und Wasser als körperliches Lebenselixier, als geistiges hingegen, Bildung, Austausch, Kreativität und Expression – das habe ich gelernt. Von Rebellion ging hingegen seit meiner Pubertät wenig Lebenskraft aus. Aber vielleicht ist das bei erwachsenen New Yorker Werbern ja anders. „Rebellion is the only thing that keeps you alive”. Glauben die eigentlich, was sie da schreiben?

Minute 11-12. Beten und warten. Der Blick auf den Boden. Das WOW ist verpufft. Die Übelkeit folgt. Converse rückte mir auf den Leib, die Luft geschwängert mit pro-rebellischen Markenwerten und als ausgebuffter Marketeer muss ich anerkennen – Die Kampagne erreicht ihr Ziel. Die sinnliche und geistige Beschäftigung mit der Marke Converse als unerbittliche Konsequenz des Betretens des S-Bahnhofes Jungfernstieg. „Die Connectivity Kampagne zeigt sich am S-Bahnhof Jungfernstieg in ihrer vollen Stärke und Interaktivität.”, so Willy Umland, geschäftsführender Gesellschafter der All Star D.A.CH. GmbH, die die Lizenz für Converse in Deutschland, Österreich und der Schweiz inne hat. „Mit Converse haben wir uns das Motto ‘Break The Status Quo’ auf die Fahnen geschrieben – und in diesem Sinne freuen wir uns natürlich sehr über die innovative Bahnhofsdominanz in Hamburg.” (Zitat aus Pressemitteilung)

Beim erlösenenden Einfahren der Bahn empfinde ich die ambitionierte S-Bahnhofsdominanz als unangenehm, belästigend und “weit über das Ziel hinausgeschossen”. Aus Werbersicht ist die Kampagne ist eine grossartige – und unbestritten ist Converse, ähnlich wie Muttermarke Nike, oftmals kreativer Vorreiter, wenns um virale Markenkommunikation und Internet-Mitmachtools geht. Die Converse Connectivity Kampagne endet für mich nach dem ersten WOW jedoch mit der Erkenntniss, dass ich fremdpeinlich berührt bin und mich mit der Marke gerade mal nicht identifizieren möchte.

Beim Nachdenken über Schönheit und Wirksamkeit von Kampagnen empfehle ich die erheiternde Diskussion zu diesem Flickr-Bild. Wer mehr über Nike-Urbanismus, Branding und die Markenstadt von morgen erfahren möchte wird sich an Friedruch von Borries sehr zu empfehlenden Buch “Wer hat Angst vor Niketown” erfreuen.  Junge Erwachsene  und die Rebellion? Der Spiegel glaubt, die Antwort zu kennen.

„Rebellion is the only thing that keeps you alive” – Es hätte auch sympathisch werden können.
Fotos von Spanier

10 Kommentare to “Nachgedacht über: Converse Connectivity Kampagne und „Rebellion is the only thing that keeps you alive“”


  1. urks, die beklemmung ist bei mir sofort da, dabei ist gerade diese station sonst echt hübsch


  2. …hier in berlin war’s am u-bhf. friedrichstr. noch ‘ne ganze nummer krasser! da waren auch schon die treppen und wände auf dem weg zum eigentlichen bahnsteig zugepflastert…


  3. Habe Bilder davon gesehen – Brrr….


  4. [...] Nicht mehr, nicht weniger…zumindest bleibt uns jedoch die S-Bahnhofsdominanz [...]


  5. [...] Nice. Not more, not less. But at least they don´t cover up train stations. [...]


  6. [...] wo unsere Mütter einst waren: In der Post-Revival-Generation. Röhrenjeans, Doc Martens, Converse Chucks und Batik T-Shirts, sie prägten bereits das Straßenbild während wir noch die Schulbank drückten [...]


  7. [...] there, where our mothers once have been: In the Revival-Generation. Skinny jeans, Dr Martens, Converse Chucks and tie-dye T-Shirts once have been part of everyday life.  Such was the Palestinian headdress, [...]


  8. I love Converse chucks……


  9. [...] wie die Converse Chucks waren auch die unkaputtbaren, klobigen Dr. Martens ein treuer Begleiter in meiner Teenagerzeit und [...]


  10. [...] Mitmach-Marketing Web-Dominanz verbuche ich derzeit die zahlreichen „Projekte” großer Konzerne, die zwar spät, aber [...]

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